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Thema: Warum schreien die Menschen so, wenn sie wütend sind?

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Wenn wir Menschen, also Kinder und Erwachsene, wütend sind, platzt es schon mal aus uns heraus. Wir schreien, beißen, treten…wir sind außer uns vor Wut. Wer kennt das nicht!?

„Wut ist wie eine Spannung, die sich entladen muss. Die Psyche ist allerdings so innig mit dem Körper vernetzt, dass sie nicht unterscheidet, ob seelische Nöte wie Ängste und Bedrohungsgefühle hinter der Wut stecken – oder körperliche Belästigungen wie eine volle Windel, Schmerzen, Hunger, Übermüdung...“, so der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Werner Nowotny aus München.

Wir Erwachsenen sind ja schon oft im Umgang mit unserer eigenen Wut überfordert. Was erst tun, wenn unser Nachwuchs einen Wutanfall nach dem anderen produziert? Und dann auch noch vor anderen Leuten – wie unangenehm.

Grundsätzlich ist es doch in unserer, der deutschen Gesellschaft, recht unangenehm über Gefühle und Bedürfnisse in der "Öffentlichkeit" zu reden. Man will ja auch nicht als Weichei dastehen. Die meisten von uns sind immer noch so erzogen worden, dass uns beigebracht wurde, unsere Gefühle eher für uns zubehalten. Was denken sonst die Nachbarn oder unsere Freunde von uns? Scham ist hier ein großes Thema. Meine Gefühle und Bedürfnisse sind nicht richtig und nicht wichtig, also schlucke ich sie runter und reiße mich zusammen.

So haben viele von uns nie gelernt, mit Wut und Frustration umzugehen. Dabei ist es so wichtig, sich klarzumachen, was da in mir vorgeht. Weshalb bin ich gerade wütend, traurig oder enttäuscht? Und was brauche ich, damit es mir wieder besser geht? Ich sollte mein Gefühl rauslassen dürfen, aber so, dass andere nicht verletzt werden. Und ich sollte sagen dürfen, was ich brauche. Wie soll mich auch der andere verstehen, wenn ich selbst nicht weiß, weshalb ich gerade wütend bin? Erst, wenn ich Klarheit über meine Gefühle und Bedürfnisse habe, gibt mir das Sicherheit und Stärke für mein Auftreten. So vermeide ich Missverständnisse und Streit. Da helfen Selbstempathie und klare, freundliche, aber bestimmte Worte, um die jeweilige Situation aufzuklären.

Diese klaren Worte gilt es aber erst einmal zu finden! Aber wie soll ich mich ausdrücken, wenn mir die Worte fehlen?

In einer Studie aus den USA wurden mehr als 2000 Kleinkinder zwischen zwölf und 38 Monaten begleitet. In der Gruppe der Kinder, die mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter beherrschten, kam es fast doppelt so häufig zu „schweren“ Wutausbrüchen als bei Kindern, die im gleichen Alter mehr Wörter kannten (Quelle: SZ Psychologie vom 16.11.2019).

In dem Moment, in dem wir Dinge bennen können, in dem wir Worte für sie haben, können wir sie verstehen. Ich erlange Verständnis für mich und für andere!

So weit, so gut! Gehen wir dann also davon aus, dass ich jemand bin, der sich seiner Gefühle und Bedürfnisse (mittlerweile) bewusst ist und diese auch ausdrücken möchte und kann, dann brauche ich nur noch ein Gegenüber, das mir zuhört. Einen empathischen Zuhörer an seiner Seite zu haben ist wirklich ein großes Geschenk. Denn meistens werden aus Kindern, denen nicht zugehört und denen die Gefühle aberkannt wurden, Erwachsene, die nie gelernt haben mit ihrer Wut und Frustration umzugehen. Meiner Meinung nach werden nur die wenigsten Menschen als Choleriker geboren. Aber nur Menschen, denen zugehört wurde und wird, können gewaltfrei mit Wut und Frustration umgehen.

Dann brauchen sie nicht laut und gewalttätig zu werden, aus Sorge nicht gehört zu werden. Dann brauchen Sie nur klare Worte und Verständnis, um auch schwierige Situationen zu meistern und in Verbindung mit sich und mit anderen Menschen zu bleiben.

In diesem Zusammenhang und passend zur Überschrift dieses Blogbeitrags, bin ich auf eine schöne Geschichte von Mahatma Ghandi gestoßen, die ich dir nicht vorenthalten möchte!

Warum schreien die Menschen so, wenn sie wütend sind?

Eines Tages fragte ein indischer Denker: „Warum schreien die Menschen so, wenn sie wütend sind?“ – „Sie schreien, weil sie die Ruhe verlieren“, antwortete ein Mann. „Doch warum schreien sie, wenn die andere Person neben ihnen steht?“, fragte der Denker erneut. – „Wir schreien, weil wir wollen, dass die andere Person uns zuhört“, erwiderte ein anderer Mann. Der Denker fragte weiter: „Ist es dann nicht möglich, mit leiser Stimme zu sprechen?“ Weitere Antworten folgten, doch keine konnte ihn überzeugen.

Nach einem Augenblick des Nachdenkens sagte er: „Wollt ihr wissen, weshalb man eine andere Person anschreit, wenn man wütend ist? Es ist so, dass sich bei einem Streit die Herzen zweier Menschen weit voneinander entfernen. Um diese Distanz zu überwinden, muss man schreien. Je wütender die Menschen sind, desto lauter müssen sie schreien, um einander zu hören.

Darum lasst es nicht zu, dass eure Herzen sich bei einer Diskussion voneinander entfernen. Sagt keine Worte, die die Herzen auseinandertreiben, denn der Tag wird kommen, an dem die Distanz so groß ist, dass es keinen Weg mehr zurück geben wird.

Ganz anders ist es zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Sie schreien nicht, sie reden sanft miteinander. Weshalb wohl? Weil ihre Herzen einander sehr nahe sind. Die Distanz zwischen ihnen ist klein. Manchmal sind sich die Herzen so nahe, dass sie nicht einmal sprechen, sondern nur flüstern. Und wenn die Liebe noch stärker ist, braucht es nicht einmal mehr ein Flüstern. Es genügt, sich anzusehen und die Herzen hören einander. Denn wenn zwei Menschen sich lieben, sind sie einander sehr nahe.“

(Mahatma Ghandi)

 

In diesem Sinne, eine entspannte Zeit

Deine Nicole Tepaße

 

 



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