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Thema: Corona-auch eine Gefühlskrise

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Glücklich kann sich in diesen Wochen schätzen, wer in einem Haus mit Garten wohnt oder zumindest in einer Stadtwohnung mit Balkon. Glücklich sind wohl auch diejenigen, bei denen sich das Bedürfnis nach Glück, Gesundheit, Zufriedenheit, Gelassenheit, Geduld und Kreativität (die Aufzählung ist bei weitem nicht abschließend) zurzeit noch zum größten Teil erfüllt.

Aber was ist mit den unangenehmen Gefühlen, die wir mit uns tragen? Was kann uns beim Umgang mit ihnen helfen?

Mal der Reihe nach. Wenn wir der einfachheitshalber drei Gruppen erstellen würden, gäbe es da wohl die Genervten, die Verängstigten und die Wütenden unter uns.

Die Genervten können es langsam nicht mehr hören. Jeder spricht den ganzen Tag nur von Corona. Die ganzen Einschränkungen, sei es bei der Arbeit, beim Einkaufen oder in der Freizeit. Nichts kann man mehr tun, ohne sich fragen zu müssen „darf ich das?“. Das nervt total. Und wahrscheinlich hat diese Gruppe von Menschen auch niemanden, der direkt von bzw. durch Corona betroffen ist.

Die Verängstigten schauen mit wachsender Besorgnis alle Nachrichten über Corona an. Sind zu tiefst beunruhigt - bis hin zur Todesangst – hinsichtlich der eigenen und auch der körperlichen und seelischen Gesundheit ihrer Lieben. Oftmals geht es auch um Existenzängste. Viele steigern sich aufgrund von Unsicherheit in ihre Ängste hinein.

Die Wütenden können es einfach nicht fassen, dass es Mitmenschen gibt, die Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern stehlen, sich um Klopapier, Mehl und Nudeln prügeln und anderen diese Waren wegkaufen.

Unsere Gefühle sind wie kleine Wecker! Sie wollen uns wachrütteln, um darauf hinzuweisen, welche Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Schauen wir uns mal die einzelnen Gruppen etwas näher an.

Wenn ich genervt bin, brauche ich meistens mein Ruhe. Die kann ich in diesem Fall bekommen, in dem ich keine oder weniger Nachrichten schaue. Falls das Thema Corona angesprochen wird, bitte ich klar und freundlich darum, das Thema zu wechseln. Vielleicht brauche ich aber auch einfach mal wieder Sport an der frischen Luft, um die Anspannung loszuwerden!

Wenn ich verängstigt bin, habe ich oft das Bedürfnis nach Sicherheit, Schutz und/oder Struktur. Wenn wir verängstigt oder wütend sind, können wir nicht mehr klar denken. Unser gesunder Menschenverstand ist blockiert.

Wichtig ist hier, das Gefühl zu fühlen. Lass es raus und nimm es ernst. Auf keinen Fall solltest Du es unterdrücken. Dann mache Dir klar, dass es ganz normal ist, Angst zu haben. Angst hat auch ihre Daseinsberechtigung! Sie schützt uns vor Gefahren. Viele Menschen haben dieses Gefühl in dieser Zeit. Wichtig ist, dass Du Dir überlegst, wie Du Deine Bedürfnisse nach Schutz und Struktur erfüllen könntest, so dass Du mit Deiner Angst besser umgehen kannst – ohne, dass sie Dich übermannt.  Schließlich ist die Angst nur ein kleiner Teil, der Dich ausmacht. Würde es Dir z.B. helfen, gut vorbereitet aus dem Haus zu gehen, d.h. mit Mundschutz, Handschuhen und Desinfektionsmittel? Oder helfen Ablenkungen wie Sport, Spiele mit der Familie oder auflockernde Gespräche? Geht es um Existenzängste? Dann könnten ein Expertenrat und der entsprechende Antrag auf Unterstützungsgelder helfen.

Wenn ich wütend bin, fühle ich mich vielleicht gleichzeitig auch noch hilflos und frustriert. Hinter Wut steckt ganz viel Kraft und Energie. Versuche sie umzuwandeln und für etwas Sinnvolles zu nutzen. Wie wäre es mit Nachbarschaftshilfe? Unterstütze da, wo Deine Hilfe gebraucht wird. Wenn ich wütend bin, tut es mir gut, einmal tief durchzuatmen und mich daran zu erinnern, dass alles was wir Menschen tun, aus guter Absicht geschieht. Auch das Hamstern!! Jeder Mensch tut das, was er tut, um seine Bedürfnisse zu befriedigen (Hamstern kann z.B. Sicherheit geben). Nur ist die Umsetzung leider oft etwas unglücklich! Also geh mit gutem Beispiel voran. Du wirst Deine Mitmenschen nicht ändern können, aber allein die Tatsache, dass du dich anders bzw. bewusster verhältst, wird auch etwas bei den Menschen in Deiner Umgebung bewegen und verändern.

Ich denke, das Wichtigste ist, nicht ständig daran zu denken, was wir alles nicht dürfen, sondern uns darauf zu fokussieren, was gerade alles machbar und möglich ist.

In diesem Sinne, handle besonnen und bleib gesund,

Deine Nicole Tepaße

 

 

 

 

 



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